Rettungseinsatz in der Jack-Daniels-Höhle

Rettungseinsatz in der Jack-Daniels-Höhle im Tennengebirge bei Salzburg.
In der Nacht zum 14. 08. 2014 ereignete sich in der Jack-Daniels-Höhle im Tennengebirge ein Unfall. Ein Mitglied einer polnischen Forschungsgruppe, die seit vielen Jahren in dieser mehr als 700m tiefen Schachthöhle tätig ist, rutschte beim Umhängen an einem Seilgeländerin einem ungesicherten Moment ab und stürzte 7-8m über eine schräge Felsplatte in die Tiefe.
Er zog sich dabei einen Beckenbruch, mehrere Rippenbrüche sowie eine Gehirnerschütterungzu. Der Unfall ereignete sich in ca. 260m Tiefe. Die polnischen Forscher transportierten den Verletzten, der an einer nassen und exponierten Stelle zum Liegen gekommen war, einige Meter aufwärts in die nächste größere Halle. Schnell wurde klar, daß mit Kameradenrettung in diesm Fall nichts mehr zu machen war, der Verletzte konnte sich selbst nicht mehr bewegen und hatte starke Schmerzen. Die Entfernung zum Höhlenausgang betrug etwa 700-800m, die Tiefe 250m mit etlichen Schächten, unter anderem 40 und 80m mit etlichen Umsteigestellen, daher beschloß man, die Höhlenrettung zu alarmieren.
Ein Melder stieg aus der Höhle aus und erreichte am frühen Morgen die Laufener Hütte, von wo per Telefon die Alarmierung von Bergrettung und Höhlenrettung erfolgte. Morgens um 07.15 ging von der Salzburger Höhlenrettung über SMS der Alarm an alle Freilassinger Höhlenretter hinaus, kurz danach gefolgt vom Funkwecker über unsere ILS in Traunstein. Wir sind seit Jahren in das Salzburger Alarmsystem eingebunden, stellen auch planmäßig zwei Mann für den Vortrupp.
An der nun folgenden Bergung waren etwa 200 Mann aus den verschiedensten Organisationen beteiligt, darunter 79 Höhlenretter. Dieser komplexe Ablauf läßt sich an dieser Stelle nicht bis ins letzte Detail abhandeln, mein Schwerpunkt liegt hier bei der Rolle der Bergwacht aus Freilassing.
Die Mitglieder unserer Höhlenrettungsgruppe, die sich an diesem Donnerstag Morgen frei nehmen konnten, trafen sich in unserer Garage in Mitterfelden, wo unser Hänger mit allem Material klar zum Einsatz bereitsteht. Um 09.00 fuhren wir mit sieben Mann ab und verstärkt durch Stephan Bauhofer aus Berchtesgaden erreichten wir um 10.00 den Parkplatz der Hochkarbahn in Abtenau. Hier hatte die örtliche Bergrettung mit der Einrichtung einer Einsatzleitstelle begonnen, der Einsatzleiter zeigte sich überrascht über unser frühes Eintreffen, denn außer uns war noch niemand da.
Man kannte sich jedoch bereits vom Einsatz im Riesending, und so beschloß der Einsatzleiter, unser hohes Einsatztempo umzusetzen, da es das Wetter gerade noch zuließ, Personal und Material bis zur Laufener Hütte zu fliegen. Der Höhleneingang im Gipfelbereich des Bleikogels auf über 2100m lag in den Wolken. Ein Mann wurde beim Hänger als Materialwart und Organisator zurückgelassen, im Gegenzug rekrutierten wir die erste eintreffende Höhlenretterin aus Salzburg, sie war seit Jahren bei unseren Übungen mit dabei, mit unserem Höhlentelefon vertraut, und leistete in den nächsten 24 Stunden wertvolle Dienste als Telefonposten am Höhleneingang und Funker ins Tal zur Leitstelle.
In vier Flügen wurden wir zu acht mit unserem Material von einem Polizeihubschrauber bis zur Laufener Hütte geflogen. Dort warteten bereits etwa 15 Mann der nahegelegenen Bergrettungsstellen, sie waren zu Fuß aufgestiegen und übernahmen als Träger unser Einsatzmaterial. Gegen Mittag setzte sich gemeinsam mit einigen Polnischen Forschern eine etwa 25 Mann Starke Einsatzgruppe in Richtung Bleikogel in Bewegung. Das Wetter war durchwachsen, und nach eineinhalb Stunden erreichten wir die Höhle.
Etwa um 13.00 begann unser vier Mann starker Vortrupp mit dem Abstieg in die Schachthöhle, erreichte nach etwa zweieinhalb Stunden den Patienten und begann mit der medizinischen Versorgung. Unser Telefontrupp aus drei Mann baute die Leitung für unser Höhlentelefon über Gänge und Schachtstrecken in die Tiefe. Nach 18.00 waren etwa 400m Kabel verlegt, es konnte die erste Statusmeldung über den Patienten zum Ausgang erfolgen. Im Verlauf des Abends wurde die Leitung mehrfach von den nachkommenden Rettungstrupps in den Schachtstrecken abgerissen und wieder repariert, gegen Ende der Bergung war Telefonieren nur noch im oberen Teil der Strecke möglich.
Inzwischen war eine etwa 10 Mann starke Gruppe am Patienten, darunter auch ein Arzt, und bereitete den Transport vor. Etliche Techniktrupps waren mit Einbauten entlang der Strecke beschäftigt, und nach zwei kalten Ruhestunden begann etwa um 03.00 morgens der Transport. Die Arbeit an Flaschenzügen und Einbauten in den Schächten war mühsam. Um Mitternacht wurde nach Rücksprache mit der Einsatzleitung von unseren zwei nachgeforderten Leuten in 60m Tiefe eine Engstelle mit modernsten Mitteln begradigt.
Gegen 08.00 Freitag früh kam das erste Fotomaterial aus der Höhle und wurde an die Presse weitergegeben, im Österreichischen Fernsehen erfolgte mehrfach Berichterstattung, auf dem Hintergrundfoto waren Höhlenretter am Patienten zu sehen, auf dem Rücken der Schriftzug „BERGWACHT HÖHLENRETTUNG“.
Auch am Höhleneingang waren unsere Leute mit Organisation und Material beschäftigt. Um die Funkverbindung vom Höhleneingang ins Tal zu verbessern, wurde aus dem Materialbestand unseres Einsatzfahrzeuges im Bereich der Postalm eine Relaisstation errichtet, das gute Flugwetter erlaubte jetzt einen steten Fluß an frischen Einsatzkräften in die Höhle, der Transport ging gut voran.
In der Talstation hatte sich eine Einsatzleitgruppe eingerichtet, in der auch Männer der Technikgruppe der Bergwacht Chiemgau und aus Bad Tölz arbeiteten. Die Bergung hatte sich zu einem Großeinsatz entwickelt, unsere Einsatzkräfte konnten vor allen in der Anfangsphase einen wertvollen Beitrag leisten, die Sache ins Rollen zu bringen.
Nach über 22 Stunden Transport war der Patient dann am Höhlenausgang und wurde von einem nachtflugtauglichen Hubschrauber der Bundesheeres nach Salzburg ins Krankenhaus geflogen. Die Bergung verlief für die Einsatzkräfte ohne weitere Verletzte, was in dieser anspruchsvollen Höhle nicht selbstverständlich ist. Ein Grund für das rasche und erfolgreiche Arbeiten bei der Bergung war nicht zuletzt der Umstand, daß viele der eingesetzten Retter erst wenige Wochen zuvor schon im Riesending zusammengearbeitet hatten. Die Grundstimmung bei allen Leuten war sehr positiv, auch die Freilassinger Höhlenretter waren mit gesundem Selbstvertrauen und hoher Motivation bei diesem Einsatz dabei.
Autor: Peter Hogger

Rettungseinsatz Schönsteinhöhle

Am Freitagnachmittag (18.Juli 2014) fuhren ein Mann und eine Frau in die Schönsteinhöhle ein. Als sie die Robertspalten erkunden wollten, rutschte die 55-jährige ab und zog sich Schürfwunden und eine Handverletzung zu. Ihr Begleiter konnte die Höhle verlassen und alarmierte die Rettungskräfte. Bergwacht Forchheim und Höhlenrettungswache Bamberg wurden um 14:49 Uhr alarmiert. Die Frau konnte mit Hilfe des Bergesitzes (der sog. „Rettungswindel“) und eines Seilzuges aus dem Schacht geborgen werden. Sie kam zur Versorgung ins Krankenhaus. Die vorsorglich alarmierte Höhlenrettung aus Lauf a.d. Pegnitz kam nicht zum Einsatz. Einsatzende war gegen 16:30 Uhr.
Bergwacht Bayern, Höhlenrettungswache Bamberg
Autor: Matthias Gebert

Weitere geprüfte Höhlenretter in Hessen

Erdbach, Lahn-Dill-Kreis. Am Pfingstwochenende 2013 stellten sich sechs Mitglieder der hessischen Höhlenrettung (HRH) zum Abschluß eines erfolgreichen Ausbildungswochenendes der Prüfung zum Höhlenretter (HRVD).

Am Sonntag Abend losten die beiden aus Bayern angereisten Prüfer drei technische und zwei medizinische Prüfungsstationen aus. Im Anschluß wurden die Prüflinge zu den Themen Aufbau- und Ablauforganisation der eigenen Gruppe und des HRVD geprüft. Der Abend klang dann gemütlich an Grill und Lagerfeuer aus.

Die für den folgenden Tag angekündigten starken Regenfälle stellten sich zum Glück nur als harmloser Dauerregen heraus. So konnten die technischen Prüfungsstationen wie geplant Übertage in einem stillgelegten Steinbruch durchgeführt werden. Dabei mußten die Teilnehmer ihr Können bezüglich der Kommunikation in Höhlen, dem Verankerungsbau und dem Aufbau und Betrieb eines Zugsystems unter Beweis stellen. Die vermeintlich leichte Aufgabenstellung, ein Zugsystem an einer Hangkante zu installieren, entpuppte sich für einige Prüflinge jedoch als Stolperstein.

Eine kleine Naturhöhle bot die idealen Umgebungsbedingungen für die Überprüfung der Kenntnisse in Erstdiagnose und Immobilisation. Wie auch im Einsatz mußten die Höhlenretter einen Patienten(darsteller) finden, die Gefahrenlage einschätzen und eine Diagnose stellen. Die Immobilisation der Halswirbelsäule und die fachgerechte Schienung eines Knöchels waren Hauptbestandteil des zweiten medizinischen Prüfungsteils.

Insgesamt zeigten die hessischen Höhlenretter, daß die noch junge Gruppe über ein gutes Ausbildungsniveau verfügt. Jedoch konnten nur vier der sechs Prüflinge ausreichend viele Prüfungsteile bestehen. Somit verfügt die HRH nun über insgesamt fünf geprüfte Höhlenretter (HRVD).

Bilder © Martin Gebert. Auf ein Vorschaubild klicken für eine größere Ansicht:

Haarscharf an umfangreichem Ernstfall vorbei

Bei einer überregionalen Ausbildung der Höhlenrettungswachen der Bergwacht Bayern im Alfelder Windloch folgte auf die Übung ein realer Einsatz.

Nur dem glücklichen Umstand, daß das Höhlenrettungsteam nach absolviertem Training noch einmal in die Höhle zurück ging, ist es zu verdanken, dass in Not geratenen Höhlenbesuchern geholfen werden konnte, bevor sich deren missliche Lage zuspitzte.

Ein Mann und eine Frau aus einer Dreiergruppe konnten aus eigener Kraft den Aufstieg aus einer engen Spalte nicht mehr bewältigen und steckten fest. Unter Zuhilfenahme von Trittschlingen, Seilzug und Steighilfen konnte die kritische Passage jedoch bewältigt werden. Sichtlich erschöpft, aber glücklich, der heiklen Situation entronnen zu sein, bedankten sich die Geretteten bei ihren Helfern nach dem Verlassen der Höhle, wo sie von einem Höhlenretter mit KID-Ausbildung betreut wurden.

Bei den Höhlenrettern herrschte die einhellige Meinung vor, dass die Situation leicht einen dramatischeren Verlauf hätte nehmen können, wenn nicht sofort eingegriffen worden wäre. So blieb es bei eher geringem Aufwand und bildete den erfolgreichen Abschluss des Trainingstages.

Autor: Karlheinz Fiebig

Bilder © Martin Gebert

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Workshop Höhlenmedizin in Wonsees

Das Treffen der AG Höhlenmedizin fand am 16.03.2013 im Saal der Marktmühle in Wonsees statt. Nach der Begrüßung durch Nils und Jogi folgte eine kurze Vorstellungsrunde der knapp 20 Teilnehmer aus ganz Deutschland.

Zu Beginn besprachen wir uns über die Gestaltung und Änderungen der SOPs.

Anschließend begannen wir nach einer kurzen theoretischen Einweisung mit den ersten praktischen Übungen zur nasalen Gabe von Medikamenten mittels des MAD-Systems. Zudem erörterten wir im Höhleneinsatz wichtige Medikamente; die adäquaten Dosierungen wurden unter den anwesenden Ärzten und Sanitätern diskutiert.

Nachfolgend wurde das BIG-System vorgestellt, mit dem in Notsituationen ein intraossärer Infusionszugang (direkt in den Knochen, z. B. Schienbein) gelegt werden. Zur praktischen Übung standen zwei Demonstrationssysteme zur Verfügung, die die Teilnehmer ausgiebig betrachten konnten. Doch damit nicht genug, denn auch die praktische Anwendung der Systeme konnte geübt werden. Hierzu lagen mehrere Schweinefüße bereit, die Nils im Vorfeld bereits organsiert hatte. Diese Übung war sehr wertvoll für die Teilnehmer, da man einen derartigen Zugangsweg ja nicht „mal eben schnell“ an einem Menschen erproben kann und das System in der praktischen Anwendung ja durchaus ein paar Eigenheiten hat, die man nicht erst in einer Notsituation kennenlernen sollte.

Im weiteren Verlauf wurden unterschiedliche Verfahren zur örtlichen Betäubung vorgestellt und diskutiert.

Die Mittagspause fand dann Punkt 13 Uhr im Gasthaus der örtlichen Metzgerei statt. Hier gab es für die Teilnehmer Schaschlikspieße aus eigener Produktion und eine große Portion Pommes, genau das Richtige an einem langen, anstrengenden Arbeitstag.

Am Nachmittag erfolgten weitere Demonstrationen und praktische Übungen im Umgang mit der Beckenschlinge, Kunststoffschienen und Tapeverband. Zudem gab es ausführliche Erklärungen zum Reponieren („Wiedereinrenken“) von Gelenken in Notsituationen.

Anschließend übten wir das Anlegen von Thoraxdrainagen in Notsituationen, z. B. bei Spannungspneumothorax. Auch hierzu gab es praktische Stücke der Brustwand von Schweinen, so dass alle Teilnehmer an einem realistischen Objekt Erfahrungen im Umgang mit Skalpellen, Trokaren und Drainageschläuchen sammeln konnten.

Abschließend wurde die notfallmäßige Wundversorgung mittels Nähen demonstriert und von allen Teilnehmern an den zuvor eingeschnitten Schweine-Brustwänden geübt.

Auch viele weitere interessante und wichtige Themen wurden während des Workshop diskutiert, wie beispielsweise die Messung von Gaskonzentration in Höhlen und deren Auswirkungen und Bedeutung und die Notwendigkeit einer einheitlichen Bezeichnungsweise für Ausrüstungsgegenstände, auch zwischen verschiedenen Einsatzgruppen („Personenheizung“, „Krake“ und „Schwedenheizung“), aber auch viele weitere Themen.

Nach einem langen, bestens organisierten und sehr lehrreichen Tag räumten wir gemeinsam den Mühlensaal auf, verbrachten die mitgebrachten Ausrüstungsgegenstände, Demonstrationsobjekte und Verpflegung in unsere Fahrzeuge und traten unsere Heimreise an.

Autoren: Sebastian Neubert und Dr. med. Thomas Krohn

Alle Bilder © Nils Bräunig. Auf ein Vorschaubild klicken für größere Ansicht:

Technik- und Rettungstraining in Breitscheid

„Mein Freund ist beim klettern zu dem Geo-Cache in den Brecherschacht runter gestürzt! Er liegt jetzt da unten und kann nicht mehr aufstehen! Bitte kommen sie schnell!“
So oder so ähnlich könnte ein Hilferuf aus Erdbach/Ww klingen. Grund genug für die Freiwillige Feuerwehr Breitscheid und der Höhlenrettung Hessen/Rheinland-Pfalz sich diesem Szenario in einer gemeinsamen Übung zu stellen.

Vorweg übten die Höhlenretter im Gerätehaus gemeinsam mit den Kameraden der Feuerwehr Aufbau und Einsatzmöglichkeiten der Trage sowie des Zugsystems der HRH. Nachdem sich jeder mit der Technik vertraut machen konnte, wurde das Material der HRH auf den Gerätewagen verlastet. Begleitet von einigen Privatfahrzeugen ging es dann zum Übungsort.

Dort angekommen, machte sich zunächst ein Arzt und ein Sanitäter, beide nicht nur Höhlenretter sondern auch erfahrene Höhlen- und Altbergbauforscher, als Vortrupp auf den Weg zum Patienten. Dank des mitgeführten Telefons und der darüber übermittelten Lagemeldung folgten dann ein Rettungstrupp mit Trage und Rettungsmulde sowie ein Techniktrupp für den notwendigen Schachtausbau.

Die Rettung selbst erfolgte geländebedingt in zwei Abschnitten. Der Patient wurde in der Rettungsmulde zunächst aus dem eigentlichen Schacht auf eine Zwischenstufe und dann von dort die letzte Stufe hinaus in den sicheren Bereich gerettet. Das Zugsytem führte dabei durchgängig über zwei Umlenkungen, rückgesichert durch ein Dynamikseil direkt zum Patienten.

Alles in allem hat die Übung sehr gut und im vorgesehenen Zeitrahmen geklappt. Einziges Hindernis war die Umzäunung des Schachtes, die im wirklichen Notfall aber einfach weggeschnitten worden wäre.

Autor: Stephan Grün

Bilder © Jürgen Faust, Klaus Tuczek. Auf ein Vorschaubild klicken für größere Ansicht:

Bericht vom Treffen des Europäischen Höhlenrettungsverbundes ECRA in Chatel des Joux/Frankreich vom 18.–21.10.2012

Vorwort

Vor etlichen Jahren entstand bei einem Höhlenforschertreffen die Idee, daß sich die Höhlenrettungen der Alpin-Karst-Länder treffen sollten, um Erfahrungen über Höhlenrettungstechniken auszutauschen. Da jedoch im Laufe der Zeit an dieser Veranstaltung auch nicht Alpin-Karst-Länder ein starkes Interesse gezeigt haben wurde beschlossen, die Veranstaltung zu „europäisieren“ und einen europäischen Höhlenrettungsverbund zu gründen. Die Planung und Vorarbeit hierzu fand in den vergangenen zwei Jahren statt. Ziel dieser Veranstaltung war es jetzt, neben den Seminaren die ECRA (European Cave Rescue Association) zu gründen. Die Höhlenrettung in Deutschland wurde dabei vom HRVD, dem Höhlenrettungsverbund Deutschland repräsentiert.

Die Seminarthemen dieses Jahres waren Höhlentauchrettung, Höhlenmedizin und das Beseitigen von „Blockagen“, sprich das Vorbereiten des Rettungsweges für den Tragentransport. Die Teilnehmer an dieser Veranstaltung waren Michael Franke (Höhlentauchrettung), Markus Auer (HRVD-Mandat und Höhlentauchrettung), Jochen Gürtler (Höhlenmedizin) und Werner Zagler (HRVD-Mandat und „Blockagen“).

Die folgenden Länder waren bei diesem Treffen vertreten: Italien, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Kroatien, Slowenien, Serbien.

Höhlenmedizin

Hier wurde an einem Standard für die medizinische Versorgung in Höhlen weitergearbeitet. Außerdem wurden die Themen toxische Gase bei Sprengarbeiten, Traumata bei Tauchforschungen und Tauchmedizin behandelt. Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit diesen Themen am Freitag und Samstag.

Höhlentauchen

Hier stellten die einzelnen Länder am Freitag ihre Einsatzstrukturen und Techniken vor. Anhand von Fallbeispielen aus der Praxis wurden die daraus gewonnenen Erkenntnisse erläutert. Das Thema Versicherung von Tauchern wurde ebenfalls bearbeitet. Am Samstag wurde in einem nahe gelegenen See eine praktische Übung durchgeführt.

Beseitigung von Blockagen

Hier ging es um das Entfernen von Gesteinsblöcken bzw. das Erweitern von Gängen. Am Freitag zeigten und erläuterten die anwesenden Gruppen ihre Ausrüstung, die von Bohrmaschinen über Hydraulikwerkzeuge bis hin zu Sprengkapseln reichte.

Am Samstag denn wurden im angrenzenden Wald Gesteinsbrocken bewegt und zerkleinert.

Offizielle Gründung der ECRA

Am Samstag Morgen fand die Gründungsversammlung der ECRA statt. Die Satzung wurde nochmals überarbeitet und dann erfolgte die Verabschiedung und Gründung. Außer Frankreich und der Schweiz erklärten alle anderen Länder ihre Teilnahme und Mitarbeit. Anschließend wurde der Vorstand gewählt, der sich nun wie folgt zusammensetzt:

1. Vorsitzender: Darko Baksic (Kroatien)
2. Vorsitzender: Alberto Ubertino (Italien)
Sekretariat: Markus Auer (Deutschland)
Beisitzer: Marko Erker (Slovenien)
Beisitzer: Marko Petrovic (Serbien)

Der offizielle Teil der Veranstaltung endete am Samstag Abend. Das Treffen im nächsten Jahr findet in Slowenien statt. Wir danken dem Verein „Alpines Rettungswesen“ für die finanzielle Unterstützung an der Teilnahme.

Autor: Werner Zagler

Bilder © Werner Zagler

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Erfolgreich geprüfte Retter

Fünf Thüringer Höhlenretter waren ins fränkische Gelbsreuth gereist, um sich dort der Prüfung zum Höhlenretter nach HRVD zu stellen. Der Samstag wurde noch zu einem letzten Feinschliff genutzt, um dann zusammen mit einem Retter aus Hessen und einer Kollegin aus Sachsen die Prüfung abzulegen.

Es galt im technischen Teil die richtige Bedienung des jeweils gruppeneigenen Telefonsystems zu zeigen, die für eine Rettung notwendigen Kenntnisse im Verankerungsbau nachzuweisen und den korrekten Aufbau samt sicherer Bedienung eine Sicherungssystems für Vorstieg und Zugsystem vorzuführen.

Realistisch gespielte Unfallszenarien forderten die Prüflinge in den beiden medizinischen Prüfungsteilen „Versorgung eines hypothermen Patienten“ und „Erstdiagnose“. In jeweils 20 Minuten galt es im Team alle notwendigen Maßnahmen durchzuführen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wie immer wurde abschließend im organisatorischen Teil abgefragt, ob sich die Retter in Ihrer Organisation und im HRVD sowohl im zivilen Leben als auch im Einsatz zurecht finden.

Alle Aufgaben wurden als bestanden gewertet. Der Prüfungsleiter N. Bräunig gratulierte den Kollegen aus Thüringen, Sachsen und Hessen zur bestandenen Prüfung und dankte den angereisten Prüfern für Ihre Unterstützung.

C. Mothes (HRX) und B. Holm (URST) nahmen an der Veranstaltung als Prüferanwärter teil.

Autor: Nils Bräunig

Bilder © Nils Bräunig

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AG Höhlenmedizin nimmt Arbeit auf

Die Arbeitsgemeinschaft Höhlenmedizin des HRVD nahm am vergangenen Samstag schwungvoll ihre Arbeit auf

UHINGEN (Lkr. Göppingen / Baden-Württemberg)

Bei der Begrüßung durch Stefan Allich und Nils Bräunig wurden die Ziele der Arbeitsgemeinschaft nochmals betont: Im ersten Schritt sollen Handlungsempfehlungen für ärztliches und nichtärztliches Personal zur Versorgung von Patienten in Höhlen erstellt und deutschlandweit bei den dem HRVD angeschlossenen Höhlenrettungen eingeführt werden. Später sind dann weitergehende medizinische Forschungen und Entwicklungen, sowie die Bereitstellung von Notfallempfehlungen für Höhlengeher geplant.

Aus ganz Deutschland waren die Ärzte und Höhlenretter angereist um sich nach kurzer Kennenlernrunde gleich an die Arbeit zu machen.

Einigkeit herrschte darüber, dass die oft extremen Bedingungen in Höhlen eine angepasste medizinische Versorgung erfordern. Kälte, Schlamm, Wasser und ausgesetztes Gelände behindern die Versorgung; Engstellen, Schächte und generell unwegsames Gelände erschweren den Transport und ergeben zum Teil Stunden bis Tage dauernde Transportzeiten.

In einem chirurgischen und einem internistischen Themenblock wurden Erkrankungen und Verletzungen hinsichtlich der Behandlung und Konsequenzen für den Rettungsablauf durchgesprochen.

Bis zum nächsten Treffen im November sollen die Themen in einem internen Internetforum ausdiskutiert und Handlungsempfehlungen daraus entworfen werden.

Die Teilnehmer wurden von der Malteser Höhlenrettung während des Treffens hervorragend versorgt.

Autor: Nils Bräunig

Bilder © Nils Bräunig

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Einsatz in Loch bei Königstein

Jugendlicher stundenlang in Höhle eingeklemmt

Loch/Königstein (Opf.) – Spezialkräfte der Höhlenrettung Nordbayern befreiten einen 15-jährigen Eingeklemmten aus der „Höhle in Loch“ in einer aufwändigen, mehrstündigen Rettungsaktion. Über 80 Einsatzkräfte arbeiteten Hand in Hand um den Jugendlichen schnellstmöglich zu retten. Er wurde nahezu unverletzt zur Kontrolle vom Rettungsdienst ins Krankenhaus verbracht.

So abenteuerlich hatte sich ein Jugendlicher 15-jähriger aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach den Höhlenausflug mit seinen Kameraden des Christlichen Vereins Junger Männer sicherlich nicht vorgestellt.

Die Gruppe von 13 jungen Leuten, inklusive 3 Betreuern, betrat den Felsenkeller mit anschließendem Höhlensystem bei Loch nahe Königstein (Opf.) gegen 15:00 Uhr. Sie wollten nach ca. 15 Minuten Gehzeit einen abwärtsführenden Trichter begehen, als ein 15-jähriger sich mit dem linken Fuß in einer trichterförmigen Felsspalte verklemmte. Weder seine Begleiter, noch er selbst konnten ihn aus dieser misslichen Lage befreien. Einer der Begleiter verständigte daraufhin die Rettungsleitstelle. Diese alarmierte dann den zuständigen Einsatzleiter der Bergwacht. Aufgrund des Meldebildes entschied sich der Einsatzleiter bereits während der Anfahrt die Spezialkräfte der Höhlenrettung Nordbayern alarmieren zu lassen. Gegen 17:15 Uhr wurden die Höhlenrettungswachen der Bergwacht Lauf, Bamberg und Bayreuth sowie die Höhlengruppe der Feuerwehr Hersbruck alarmiert.

An der Einsatzstelle angekommen wurden die ersteintreffenden Spezialkräfte aus Lauf und Hersbruck in die Lage eingewiesen. Es wurde entschieden, in einer Stoßtrupptaktik vorzugehen. Am Höhleneingang wurde eine Registratur aufgebaut. Es machte sich ein erster Trupp samt Höhlenarzt auf dem Weg zum bereits durch Kräfte der Bergwacht betreuten Patienten. Dabei wurden bereits leichtes Material zur Wärmeerhaltung und Gesteinsbearbeitung mitgenommen.

Das erste Drittel des betroffenen Höhlenteils war einem Felsenkeller ähnlich begehbar. Nach einer Engstelle war das Weiterkommen auf lehmig-schlammigem Boden nur noch auf allen Vieren, teils flach auf dem Boden liegend, möglich. Die erste Gruppe erreichte die Unglücksstelle nach etwa 20 Minuten. Nach und nach trafen weitere Spezialistenteams mit Sonderausrüstung für Höhlenrettung an der Einsatzstelle an.

Die bestehende Kommunikation mittels Funktechnik wurde durch ein sogenanntes „Höhlofon“ ergänzt. Somit bestand auch drahtgebundene Kommunikation von der Einsatzleitung über das eingerichtete Basislager hin zum Patienten. Zeitgleich wurde mit Mitteln der hinzu alarmierten Feuerwehr Königstein eine Stromversorgung für einen Flutlichtscheinwerfer für Licht und Wärme in der Nähe des Patienten vorgenommen.

Schon bei der Ersterkundung wurde durch die Fachkräfte für Höhlenrettung sowohl das Herankommen an den Patienten – welcher sich in einer trichterförmigen Felsspalte befand – wie auch das Arbeiten um den Patienten als sehr aufwändig eingeschätzt. Die Rettung mit mehreren Kräften nebeneinander war durch die beengten Platzverhältnisse nicht möglich. Noch während des Checks durch den Arzt forderte das Team am Patienten deshalb weitere Spezialausrüstung für Wärmeerhaltung, Gesteinsbearbeitung und Rettung nach. Über 20 fertig ausgerüstete Höhlenretter standen inzwischen bereit und wurden nach und nach für Materialtransport zum Basislager und zur Erweiterung einer Engstelle als Vorbereitungsmaßnahme eines evtl. Tragentransports in das Felsmassiv geschickt.

Auf dem Parkplatz des Bauernhofes hatten sich inzwischen immer mehr verschiedene Rettungseinheiten eingefunden. Ständiger Kontakt zwischen Rettungsteam und Einsatzleiter und dessen Absprachen mit allen beteiligten Einheiten sorgten für einen zielorientierten Einsatzablauf. Die Gesamteinsatzleitung hatte für alle Eventualitäten gesorgt. Ein weiterer Notarzt stand als Ablösung bereit, die Feuerwehr Königstein hatte die Stromversorgung übernommen und stand weiterhin mit Ihrem Hilfeleistungslöschfahrzeug mit weiterem technischem Gerät parat. Ein Funkführungsfahrzeug des BRK (UG-SanEL) hielt die Kommunikationsmittel für Kontakte zur Leitstelle und weitere Verständigungen bereit, die Polizei übernahm durch ihren Einsatzleiter die Betreuung des anwesenden Kamerateams und der Fotografen der Printmedien, ein Kriseninterventionsteam stand für die psychologische Betreuung bereit und die Verpflegung aller Einsatzkräfte war durch das BRK hervorragend organisiert und durchgeführt.

Erste Rettungsversuche mittels Rettungsschlingen des mittlerweile gut versorgten Jugendlichen scheiterten aufgrund der Gesteinsformationen und dem Schmerzempfinden des Patienten. Ein aufwändiger mehrstündiger Rettungseinsatz durch Abtragen des für die Einklemmung verursachten Gesteins wurde immer wahrscheinlicher. Als letzte Möglichkeit, die kräfte- und zeitraubende komplizierte Gesteinsbearbeitung zu umgehen, sah das Rettungsteam vor Ort, welches auch die überaus wichtige psychologische Betreuung des Patienten übernommen hatte, den Einbau eines etwas seitlich versetzten Flaschenzugs mit einer sog. Rettungswindel. Hierzu mussten verschiedenen Anker in den Fels gebohrt werden. Nur durch das Zusammenspiel zwischen Erfahrung im Bereich der Höhlenrettung und daraus resultierenden kleineren „Tricks“, der psychologischen Ermunterung zur Mitarbeit des entkräfteten, inzwischen fast schon 4 Stunden lang eingeklemmten Jugendlichen, und der vorhandenen Technik gelang es eine schnellen Rettung durchzuführen.

Die vorbereitenden Abräumarbeiten an der Engstelle für einen liegenden Transport waren fast schon abgeschlossen als gegen 20:00 Uhr die Meldung kam: „Patient frei, wird von Notarzt vor Ort untersucht“. Wenige Minuten später dann die erfreuliche Meldung: „Patient nahezu unverletzt, ist gehfähig, kann aus eigenen Kräften den Rückweg antreten“.

Nach etwa einer halben Stunde Rückweg erreichte das Rettungsteam, Notarzt und Patient den Eingangsbereich des Felsenkellers wo ihn seine erleichterten Eltern schon erwarteten. Nach einem erweiterten medizinischen Check durch die beiden Ärzte konnte der 15-jährige an den Rettungsdienst übergeben werden und für vorsorgliche Untersuchungen ins Klinikum transportiert werden.

Nach dem Entschlammen der Retter und der Verpflegungseinnahme fand noch eine Einsatzbesprechung der Einheitsführer statt. Nicht als Phrase sondern als mehrfach ausgesprochenes Lob von allen Beteiligten Organisationsleiter war die kameradschaftlich, lockere, fachlich orientierte, zielführende Zusammenarbeit in allen Bereichen. Zitat: „Etzatla trau i mi a amol in a Höhln, etzt wo i waas dass dou so a Truppn kummt wemma wos passiert“.

Bericht der Bergwacht Bayern
Autor: Kay Marienfeld
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Fotos © Bergwacht Lauf:

Fotos © Denis Lieb: