Familien wegen Hochwasser im Lamprechtsofen eingeschlossen

Am Freitag 05.08.2016 wurde die Höhlenrettungsgruppe der Bergwacht im Chiemgau per SMS durch den Salzburger Höhlenrettungsdienst über den Notfall in der beliebten Schauhöhle „Lamprechtsofen“ informiert. Die Höhle befindet sich im Pinzgauer Ferienort Weißbach bei Lofer in Österreich. Nach der Abklärung durch den Einsatzleiter der bayerischen Höhlenretter wurden die Einsatzkräfte um 15.52 Uhr durch die ILS Traunstein alarmiert.
Die Ausgangslage stellte sich als sehr ernst dar und schnelles Eingreifen war zwingend erforderlich. Familien aus Deutschland und den Niederlanden, mindestens 7 Personen, darunter zwei kleine Kinder sind vom Wasser eingeschlossen und es besteht möglicherweise Lebensgefahr. Zudem besteht derzeit keine
Verbindung zu den Eingeschlossenen, woraus geschlossen wurde, dass diese im vorderen Teil der Schauhöhle sein müssen. Dies ist auch der Teil der Höhle, der regelmäßig überschwemmt und damit verschlossen wird. Die Besucher werden zwar von einem Warnsystem rechtzeitig informiert, aber es gibt wohl Wetterlagen, die ein extrem schnelles Ansteigen des Pegels zur Folge haben und eine Warnung nicht mehr schnell genug möglich ist.
Vor Ort wird klar, dass die Lage wirklich Ernst ist, da ein ca. 8-jähriger Junge aus der Höhle gespült wurde und dies unverletzt überlebt hat. Es musste davon ausgegangen werden, dass die Personen in der Höhle zumindest von Unterkühlung bedroht sind und möglicherweise bei den Familienmitgliedern in der Höhle Panik bezüglich der Situation mit dem weggerissenen Jungen bestand.
Die Chiemgauer Höhlenrettungsgruppe rückte mit vier Fahrzeugen und dem Höhlenrettungsanhänger sowie insgesamt zehn Mann aus den Bergwachbereitschaften Freilassing (5), Bergen (1), Berchtesgaden (2) und Marquartstein (2) an. Weitere Höhlenretter in Rosenheim, Salzburg und Oberösterreich wurden über den laufenden Einsatz informiert.
Nach zum Teil mehr als 45 km Anreiseweg steigt um 17.15 Uhr die erste Einsatzgruppe mit 5 Mann und entsprechender technischer Ausrüstung, medizinischem Material und Wärmeversorgung ein. Ein zweites fünfköpfiges Team folgt 15 Minuten später. In der Folge werden die Patienten auf der Gangstrecke zwischen 100 bis 300m in zwei Gruppen nacheinander gefunden. Mehrfach wird mit den Angehörigen außerhalb abgeklärt, wer noch fehlt. Letztendlich können alle Personen zugeordnet werden und es fehlt offensichtlich niemand mehr. Um 18.10 Uhr geht nochmals ein Suchtrupp los, um alles bis in die hintersten Teile der Schauhöhle zur Sicherheit nochmals abzusuchen. Die Retter bauten in der Höhle ein Wärmezelt aus Rettungsdecken auf, packten die Personen in Wärmedecken und Westen und bekleideten einige mit Neoprenanzügen für den Ausstieg aus der Höhle. Warme Getränke und Verpflegung wurde ebenfalls angeboten
Ab 18.20 Uhr wurden die Patienten – zuerst die beiden kleinen Kinder – einzeln durch das Wasser aus der Höhle geborgen. Die Entscheidung, nicht auf einen kompletten Rückgang des Wassers zu warten, wurde von der österreichisch-bayerischen Einsatzleitung getroffen, nachdem klar war, dass die Patienten alle nass und zum Teil schon richtig im Wasser gestanden waren. Zudem fiel der Wasserpegel nicht weiter, sondern stieg vielmehr erneut wieder an.
Schwierig waren die Treppenpassagen wegen des Wasserdrucks. Hier mussten Sicherungen gebaut und die Patienten wurden mit einem Seil abgelassen werden. Vor der Höhle wurden die Familien vom Roten Kreuz versorgt und umfassend betreut. Um 19.15 Uhr waren alle Patienten aus der Höhle geborgen. Die letzten Retter waren um 19.29 Uhr nach Abbau der Sicherung und Rücktransports des Materials über Tage.

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